Montag, 19.März
Dinge
Der Stapel mit Mutters Tüchern beherbergt
seit Jahren den Schal eines Freundes.
Und dort, im Ordner mit Aufschrift "Steuer" klemmt
zwischen den amtlichen Blättern dein Brief
Unterm Rücksitz im Auto liegt seit Wochen ein Bleistift.
Gelegentlich hört man ihn kullern.
Ich selbst mache Fahrten mit Sinn, Zweck und Nutzen.
Er fährt spazieren, fährt mit, einfach so.
Warum sollte man die Dinge entzweien,
den Schal von den Tüchern trennen,
dem Brief seinen Sonderplatz rauben, hier
wo er Poet ist unter Buchhalterseelen ?
Den Stift von der Fussmatte heben ?
Ja,ja.Vielleicht.
Dienstag, 27.Dezember
Komm, komm, komm
Komm, komm, komm,
nur ein Stückchen weiter
führt der Weg
hinter einem Stein
sacht nach rechts,
wird ein wenig breiter,
biegt nach linlks
in die Lichtung ein.
Dort, dort, dort
schaukelt bei der Weide
auf dem Fluss
unser altes Floß.
Komm mit mir
steig mit auf, ich schneide
ab das Tau,
und die Fahrt geht los...
Zwischen uns ist Niemandsland.
Man darf es nicht besitzen.
Montag, 21.März
31.August 2010
Ich bitte um das Leben einer Frau
deren Name auf einem Zettel
an meinem Bildschirm klebt.
Samstag, 03. Juli 2010
Damen
Auf dem Markt: Sie wippen in durchsichtigem Kleidchen unter zu weiten Hüten beinah vorbei an den Wassermelonen.. Halt, stopp. Jetzt eine Drehung nach rechts, Sonnenbrille zur Nasenspitze schieben, dabei Kopf etwas nach unten neigen..Stummer Blick über die Sonnenbrille auf die Melonen. Mundwinkel nach unten. Brille zurück zur Nasenwurzel schieben. Kinn wieder hoch und: weiter wippen.Keine Melonen heute.
Freitag, 28. Mai 2010
Im Zug,
(Notizen)
Ich steige in den Regionalzug Stralsund - Berlin
„Ist hier noch frei?“
Ich setzte mich ihm gegenüber.Er ist blond. Wilde Locken, jung.
Schläfrig sehe ich kurz vor dem Einnicken , wie er mit einem Messer einen Bleistift spitzt.
Als ich aufwache, zeichnet er..
Behutsam, als wäre es ein Grashalm, hält seine riesige Hand den Bleistift, schräg angelegt aufs Papier, zeichnet winzige Striche , eng aneinander gefügt - und da wächst ein Baum aus dem Nichts.
Knorpelig, gewunden, reich an Blattwerk, tänzelnd und zugleich verwurzelt.
„Schön“ .
„Ja“, sagt er, „Bäume sind schön. Die brauchen wir.“- Schweigen- „Sind ja die Blumen der Erde.“
Dann zeichnet er weiter. Ich lausche dem Geräusch seines Bleistifts chrss-chrss...
In meinem Kopf bilde ich Fragen: Ob er nur Bäume zeichnet ? Ob er mir das kleine Bild verkaufen würde? Etwas hindert mich daran, es auszusprechen.
In Anklam steigt er aus.
Freitag, 14.Mai 2010
Verletzt, verloren
Die Besitzerin der Ferienwohnung ist von kleiner Gestalt, schwarze Kleidung, schwarze Stiefel „Und das ist das obere Schlafzimmer “ Ich schaue in ihr Gesicht und bin fassungslos: Wie aus dem Nichts sitzt plötzlich auf ihrer Wange eine schwarze Spinne. Sie erschrickt, fegt hastig mit der Hand übers Gesicht.Gekrümmt auf demTeppich liegt die Spinne
Entsetzt , verletzt, verloren: die Spinne und das Gesicht.
Freitag, 07. Mai 2010
Wenn man im Zug sitzt
hat man nichts zu tun.
Neben mir schreibt ein Mann auf ein Blatt:
To do, Freitag
Auf einem Blatt in meinem Kopf erscheinen Sätze:
Heute zu tun:
1.Schokolade essen, langsam
2.Den Mund halten, wenn ich nichts sagen will
3.Drei Minuten die Augen schließen und nichts müssen
4.Jemanden in den Arm nehmen
Samstag, 10.April 2010
Schokoladenpapier
Gestern vergeblich nach Reimen gesucht, der Frust hat mich eine Schokolade gekostet. Alles Grübeln umsonst.
Doch heut morgen, kurz nach vier, in der dunklen Frühe kamen auf einmal die Worte .
Sie purzelten über mich her, kullerten wie ein Sack Rüben auf einer hölzernen Schütte so unerwartet zahlreich, mehr als man tragen kann. Schnell zum Schreibtisch, einen Stift und schnell ein Papier, ja,ja,
hier ist eins ! Ich notiere die Verse und lache:
Ich schreibe auf Schokoladenpapier.
Freitag, 02. April 2010
Katze
Die Fenster bleiben ungeputzt und
im Anrufbeantqworter stapeln sich Stimmen.
Alles lässt sich ignorieren um zu Schreiben,
doch niemals diese Katze hier auf meinem Schoß.
Donnerstag, 11.März 2010
So viel, so viele...
So viele Gesichter, ihre Stimmen und Augen und in jedem Blick eine eigene Welt.
Schwerer Reichtum ist das bisweilen, ich schleppe sackweise Menschen nachhaus..und so vieles ist noch nicht zuende gedacht und schon wieder wird der Koffer gepackt...schon wieder so viel, so viele...
Montag, 08.März 2010
SchwerMut
Was Gewicht hat, wird fallen:
Die schweren Gedanken,
der schwere Körper
und eines Tages
die Schwerkraft selbst.
Freitag, 05. März 2010
Ameise
Im wintermüden Gras
begegnet sie mir in der Sonne
Im Zickzack eilt sie durch´s Vorjahreslaub
am Steinchen geht ´s zügig steil aufwärts,
am Grashalm kopfüber jäh abwärts,
und unter dem Stöckchen schnell weiter...
Montag, 22. Februar 2010
Aufgewacht
Das Herz der Nacht ist weiss!
Elektrisierend ihr leises Rauschen,
im Innersten nur Liebe
- hab ich es Dir so je gesagt ?
Donnerstag, 04. Februar 2010
Zeit
Das Meer gehört nicht den Fischen.
Die Fische gehören dem Meer
12. Januar 2010
Leerzeichen
In meinem Kopfkeller führen die Wörter ihr eigenes Leben, hör nur:Im Wiesenschaumkraut baden drei Kronkorken. Der Papiertigerzahn frisst Altpapier. Nur Blubbspinat bleibt dann der Brillenschlange - die hat immer das Nachsehen..."
Im Kopfkeller tanzen die Wörter .Sie paaren sich unentwegt buchstäblich neu. Das ist, weil hier all Deine Leerzeichen rumstehn.Sie hoffen noch immer auf Sinn. Das macht meine Wörter verrückt...
24. Dezember 2009
Weihnachtsimpressionen
Teil 1: Gut sein
Kurz vor Heiligabend. Das Einkaufszentrum ist voller Verzweifelter.
Jäger und Gejagte zugleich.
Heute will man doch gut sein. Alle wollen das, selbst der größte Lump.
Auch die kleine Verkäuferin in der Gemüseabteilung. Sie sieht, dass ich meine Hände voll habe, ruft: " Moment!" , eilt eifrig davon , reisst schnell eine Tüte von der Rolle ab. Mit wehender Schürze fliegt sie zu mir zurück. Jetzt ist sie ein Engel: Meine Petersilie wird mir liebevoll aus der Hand genommen "So, rein damit," sagt sie. Sie lächelt.. Sie hat sich ihrer selbst entledigt. Wenn man ein Engel ist, fühlt man sich gut und man wird unverletzlich.
Für eine kleine heile Weile...
Teil 2: Weihnachtspudding
„Liebe Annett, ich wünsche Dir Alles Gute, Liebe und dass Du Weihnachten mit hoffentlich viel Lametta , oder, falls du Lametta nicht magst, ohne Lametta und dass Du es an Silvester mit all Deinen frohen Lieben oder auch ohne sie, je nachdem - jedenfalls: jede Menge Spaß und von Herzen viel Freude jetzt und im nächsten Jahr und überhaupt wünscht Dir Deine Dich herzlichst grüßende.…blubb."
17. Dezember 2009
Gipfeltreffen
Zu mir schallt ein Lachen von benachbarten Gipfeln.
Ich seh in der Ferne die bunten Gestalten
Sie winken mir zu, ich winke zurück,
Narren erkennen Narren.
Montag, 30. November 2009
Eingetroffen
Die Ziehung der Lottozahlen,
wie immer ohne Gewähr.
Doch auf jeder Kugel die Sieben,
Seltsam, mir ist, als hätt ich`s gewusst.
Montag, 09. November 2009
Ins Ziel
Das Ziel ist nicht das Ziel
es ist nur die Markierung eines Weges
für den man sich entschieden hat.
Montag, 02. November 2009
Schwummeriger Tag
Der Tag bleibt im Bett
er steht heut nicht auf.
Also komm, stellt das Telefon aus
Was heute getan wird, bleibt sinnlos.
An Tagen wie diesen wird niemals entschieden.
Man sollte die Läden heut schließen.
zum Schutze der Bürger
zur Rettung der Zeit.
Statt im Kaufhaus ratlos auf Nudelregale zu stieren
bleibt lieber zuhaus, trinkt Kakao oder liebt euch.
Tretet nicht vor die Tür, schließt euch ein.
Wer raus muss, wird sich heut verlieren.
Dienstag, 27.10. 2009
Im Friedwald
Wir wählen uns einen Baum aus, für "später", was hoffentlich
nicht so bald kommen wird..
Wir stapfen an diesem Regentag zu acht durch den riesigen Wald
Ich fühle mich ein wenig stolz, fast wie damals, als ich,
endlich volljährig, zum ersten Mal zur Wahlurne schritt.
Wahl-Urne?
Bald werde ich meine eigene Beerdigung organisiert haben.
Vorher hätte ich gerne noch meinen eigenen Tod und dazwischen,
bitteschön, ein selbstbestimmtes Leben.
Ja, gut, das müsste man hinkriegen
Dienstag, 22.09.2009
Stiller Tag
Der Tag trägt einen grauen Mantel.
Gedankenverloren geht er still im Nebel spazieren, lugt nicht
durchs Fenster, sieht nicht das leise Nicken der Sonnenblumen.
Einen Fuß langsam vor den anderen setzend
geht er vor meinem Fenster leise auf und ab.
.
Sonntag, 13.09. 2009
Schuld
Wir schleudern sie weg. Doch ihre Bahn verläuft elliptisch..
Wenn sie am fernsten scheint, wendet sie um, nimmt Kurs auf uns
trifft uns und zieht weiter. Wir bleiben mit Tränen und der Einsicht zurück, dass sie stets zurückkehrt wenn sie am fernsten scheint.
Donnerstag, 03. September
Traumgestalten
Vielleicht schläft Gott. Und wir sind sein Traum.
Sonntag, 29.August 2009
Wir lauschen dem Brummgesang eines kleinen Flugzeugs nach.
Die Sonne ist gewandert und findet uns jetzt hier, hinter dem alten Schuppen, wo wir den Pferden beim Grasen zusehen.
Bald wird sie über den waldigen Hang ziehen, ihr Gold wie Honig
über die Weide gießen und hinter den Tannen versinken.
Wir einigen uns schweigend: Es wird Herbst.
Samstag, 28. August 2009
Frieden
Mein Wasserkocher tuschelt leis aus der Küche zu mir ins Arbeitszimmer. Hier summt sanft der Rechner, und die Nachmittagssonne wirft ihre Streifen auf meine Tastatur.
Donnerstag, 13. August 2009
Auf nichts mehr warten.
Losgehen.
Mittwoch, 05. August 2009
Im Friedwald dürfen um einen Baum maximal zehn Urnen in der Erde vergraben werden. Wir sind genau zehn Personen, die sich zum Teil kennen, zum Teil auch nicht.Zehn Menschen, die ihren Angehörigen den üblichen Friedhofszirkus nicht zumuten wollen - oder kinderlos sind
Wir treffen uns im September, hoffentlich vollzählig, um unseren Baum auszusuchen Für mich ist das ein wichtiger Abschnitt.
Ein Gruppenfoto ? Vielleicht.
Donnerstag, 30.Juli 2009
Tagesgleichung
Heiter und beiläufig sagte heute jemand:
“Liebe ist Einverständnis.”
Mittwoch, 22.Juli 2009
Im Straßencafé
Urlaub spielen. Sich auf dem Marktplatz in einen Rattanstuhl setzen
und der Welt seinen dümmlichsten Blick schenken:
Will nix,
weiß nix,
muss nix...
Sonntag, 05.07. 2009
Dualität
Zwei große Sphinxe ziehen meinen Wagen.
Die eine heißt Ordnung, die andere Wildnis.
Wenn sie sich einig sind, kommen wir voran.
Dienstag, 30.06.2009
Existenz
Was es auch ist, es ist nicht im Kopf.
Dienstag, 09.06.2009
Aufwind
Zappelnde Blätter überall, an allen Bäumen.
Die Junibläue sieht schon nach Oktoberhimmel aus.
Komm wir lassen Drachen steigen.
Lauf in den Wind, ins Grün, ins Blau!
Montag 08.06.2009
"Auf die Plätze ...fertig ..." Lustlos.
Mittwoch, 3. Juni 2009
Pausenzeichen
Mein Ausreisserherz ist heute zahm..
Keine geheimen Klopfzeichen ,
keine Abenteuer,
nur Friede.
Sonntag, 31. Mai 2009
Stille Frage
Suchen wir den gleichen Weg
oder kreuzen sich nur unsere Pfade ?
Donnerstag, 14. Mai 2009
Springflut
Unversehens von einer Welle erfasst
hinausgespült in die Weiten des Meeres,
werde ich getaucht und gehoben,
auf und ab ...
Doch im Herzen des Ozeans
erwartet mich
mein innerstes Lied
Donnerstag, 7. Mai 2009
Steinseelenlandschaft
Das Meer ist fern,
nur Felsen und Steine.
Doch jeder einzelne Stein hier ist echt,
dies zu wissen genügt.
Dienstag, 5. Mai 2009
Appell
Weinen und Lachen
sind Kinder derselben Lebendigkeit.
Wärme sie beide.
Montag, 4. Mai 2009
Offene Frage
Falls es einen Plan vom Glück für mich gäbe,
eine Art Drehbuch vielleicht,
stünde darin auch dein Name ?
Freitag, 1. Mai 2009
Einsicht
Wenn der Brunnen versiegt ist,
vergeude nicht deine Zeit.
Lenke deine Schritte zu dir selbst.
Geh nachhaus.
Montag, 27. April 2009
Geborgen
Auf einer Insel aus Koordinaten,
von Ankunft und Abfahrt, von Orten und Daten
begegnen wir uns mit Behutsamkeit -
sachte und leise - am Fluchtpunkt der Zeit.
Sonntag, 26. April 2009
Kleine Schwester Ungeduld
Ungeduld ist wie eine kleine Schwester: zappelig und tollpatschig.
Ständig muss man sie hüten damit sie nicht ausbüchst und irgendetwas kaputt macht.
Will versuchen, sie im Zaum zu halten, ehrlich.
Samstag, 25. April 2009
Bienenmenschen
Auf dem Marktplatz, heute, bei schönem Frühlingswetter, schwärmen die Menschen wie Bienenvölker aus. Setzen sich dort in die Sonne und da hin an die Tische der Cafés, pressen sich in dichten Trauben an die Stände, tänzeln umeinander herum, Kinderwagen schiebend, Einkaufswagen ziehend.
Hab ihren Stimmen gelauscht, bin darin eingetaucht und verschwand - für einen langen Moment- in ihrem summenenden Klang .
Montag, 20. April 2009
Kondolenz- Notwehrtip Nr 1
Jemandem gerade noch rechtzeitig den Mund zu stopfen, bevor sich mit falschem Lächeln hübsch garnierter Kleisterrotz über einen ergießt,
ist seelische Notwehr - und bewahrt die wohltuende Wirkung aller sonstigen ehrlichen Begegnungen. Hab`s erfolgreich ausprobiert.
Karfreitag, 10. April 2009
Durchlauferhitzer
Beschämend simpel und zugleich sensationell mein Fazit des Tages:Kraft hat man nicht. Man bekommt sie geliehen, sobald man sie gibt.
Menschen sind Durchlauferhitzer:
Erst wenn es strömt wird´s warm.
Donnerstag, 9. April 2009
Heilige Zeit
Mir scheint, im Sterben fließt die Zeit durch uns hindurch wie
ein Traum aus Bildern und Gedanken, die allesamt wahr sind,
In diesen großen, wahrhaftigen Tagen erscheint uns vielleicht
nichts absurder, als die hilflosen Lügen mancher Angehöriger.
Montag, 6. April 2009
Spüren
Behalte das Ende der Schnur in der Hand.
Ich will Dich nicht umgarnen,
nur dann und wann ganz sacht dran ziehn und spüren: Du bist da.
Samstag, 04. April 2009
Mutters Flügel
Sehnsucht und Angst ließen uns auf einer Schwelle leben,
Doch im Geheimen haben deine Träume mir Flügel gewoben.
Mutter, sie tragen mich! Schau nur: ich fliege !
Donnerstag, 02. April 2009
Winkender Schmerz
Bin auf dem Weg zu Dir, im Flickenkleid des Narren.
Den Schmerz nahm ich als Bündel mit,
und hing es an meinen Stecken.
So trag ich den Schmerz nun als Bündel über der Schulter.
Dort wippt und schaukelt es hin und her,
auf jeden Schritt von mir folgt sein Winken:
Unerträglich unentschieden,
ob zur Begrüßung oder zum Abschied.
Dienstag, 31. März 2009
Sprungrede
"Beständig ist nur die Veränderung.
Also, liebe Anwesende: hopp-hopp und rein in den Fluss !"
Montag, 30. März 2009
Haus der Gnade
Werde heut einen Besuch abstatten
in einem Haus, wo Sterben erlaubt ist.
Man bleibt bis zum letzten Atemzug.
Ein wärmender Gedanke !
Montag, 30. März 2009
Förmlicher Antrag auf Antrag
Liebe Person Soundso,
falls Sie bereits spüren, was mein Kleinen Finger verrät,
hätten Sie auch Interesse an meiner Hand ?
mfG,
A.
Samstag, 28. März 2009
Etwas in mir erkennt Dich
und will Dich nie mehr aus den Augen verlieren.
Donnerstag, 26. März 2009
Nullkommanix-Erkenntnis
Ist
Alles
nix
ohne
Nix
Dienstag, 24. März 2009
Glücks-Lektion 1
Schnee, den keiner mehr will,
trudelt herab aus bleiernem Himmel
wie irrgegangene Post: Die Nachricht kommt scheinbar zu spät.
Doch dann lehrt er mich leis, noch im Fallen,
dass Zeit und Ort nie verkehrt sind.
Samstag, 21. März 2009
Obhut
In aller Frühe gehe ich
über die Brücke stadteinwärts,
noch vor Sonnenaufgang,
unter der silbrigen Sichel.
Über mir schimmerndes Blau.
Freitag, 20. März 2009
Stille Anwesenheit
Und wenn wir es nicht wüssten,
und wenn wir es nicht sagten,
und wenn wir es verneinten:
Der Tod ist immer da.
Er winkt mit einer Lilie
uns zu über den See.
So hell wie eine Flamme,
so rein und weiss wie Schnee.
Freitag, 13. März
Die alten Schuhe
Wieder in meine alten Abenteuerer-Schuhe geschlüpft - und raus.
Mittwoch, 11. März 2009
Freiheit
Es steht uns frei, zu gehn oder zu bleiben
doch ist die Freiheit alles andre als ein Spiel.
Es fällt nicht leicht, sich dies ins Herz zu schreiben:
"Sei, wer du bist, zeig was du fühlst - und erwarte nicht zuviel.”
Dienstag, 10. März 2009
Vor meinem Fenster schleicht der trübe Tag vorbei.
Und kein klarer Gedanke in Sicht.
Aber es gibt ja noch die Nacht.
Freitag, 6. März 2009
Schreiben
Das Schreiben ist eine lebenswichtige Tat wenn einem das Herz überläuft. Es ist eine fürchterliche Aufgabe wenn man sich leer und stumm fühlt, es ist ein Geschenk wenn es einfach geschieht, es ist
eine Leidenschaft, die Leiden lindert, es ist ein Rhythmus und eine Melodie in tauben Zeiten, es ist ein Puls, der nie aufhört zu schlagen,
es ist eine Sehnsucht und zugleich das, was sie stillt.
Es beweist meine Existenz.
Krake
Ich spürte ihre Anwesenheit, lange bevor ich sie sehen konnte. Die Krake war wieder da, hinter mir, irgendwo in meinem Zimmer. Ich hörte auf zu schreiben, drehte mich auf meinem Bürostuhl um: Seelenruhig, hockte sie in meinem Korbsessel und musterte mich mit kühlem Blick, während ihre Arme lässig mit meinen Bleistiften spielten.
Sie sagte: “Wollte nur sehn, wie´s dir geht”
Ich sagte: “Lass mich in Ruhe"
“Dann hör auf, mich zu rufen”
Dann legte sie die Bleistifte einzeln auf die Kommode zurück, akurat, nach Größe geordnet, und sagte: "Ich habe deine Gängelei satt.
Gerät Deine Welt aus den Fugen, schreist du nach mir. Kaum bin ich da, beschwerst du dich: Du wärst jetzt nicht mehr frei.
Erbärmlich.
Hast du noch Quark im Kühlschrank?"
Sie ging rüber in die Küche, dort hörte ich sie noch eine Weile schmatzen, dann das leise Klacken der Terrassentür und fort war sie, meine Krake.
"Flieg!"
Ich sammle Sehnsüchte in einer Kiste. Die trag ich zum Meer.
Jede einzelne werde ich in den Wind halten wie einen jungen Vogel: “Flieg !” werd ich sagen, "und sei Du selbst”.
Mittwoch, 18.Februar 2009
Eins der schönsten Dinge im Leben: Vorfreude auf einen anderen Menschen. Manchmal kaum auszuhalten und von Zeit zu Zeit
unbeschreiblich herzrettend.
Dienstag, 17. Februar 2009
Entlegene Kammer
An jenem letzten Abend trug ich ihren Blick in die entlegenste Kammer, faltete ihn dort unzählige Male bis nur noch ein kleines 1 cm großes Quadrat übrigblieb. Wie es in meiner Hand lag, erinnerte ich mich an die kleinen flachen Kaubonbons, die es früher immer für uns Kinder beim Friseur gab: Rot und silbrig mit einer Kirsche drauf.
Ich tastete in der Schublade der kleinen Kommode nach der abgewetz-ten Streichholzschachtel mit dem schief aufgemalten Herzchen.
Vorsichtig hineingelegt, behutsam in die Schublade.... und leise hinaus.
Freitag, 30. Januar 2009
Fenster geputzt, Dämonen bekämpft. Einen Drachen getötet.
Sonst war heut nix.
Mittwoch, 26.Januar 2009
„Die Wogen schlagen hoch“, sagst Du, „sie treten über Mauern , spülen weg, was nicht verankert, lassen nichts am Platz, reissen mit was lose...“
Doch wenn das Meer sie zu sich zurück ruft, schau dich um
und erzähle mir, was bleibt.
2009
liebe tante eugenia,
dass hier jetzt alles klein geschrieben steht, ist deshalb so,weil
die katze auf meinem schoß eine ganze hand für sich allein beansprucht.
aber ein finger ist für dich.
Ein freundlicher Regen
benetzt meine Haut.
Die Luft
ist warm
heut morgen
Neben den Wegen,
im saftigen Kraut
blüht rot
und zart
der Mohn
Darin leuchten Farben
einer schweigenden Welt,
alles scheint gut dort
und heil,
und vom Großen ein Teil.
Seht mal:
Ich
bin autark.
Ich
bettle nicht mehr, ich
brauche nicht
euer Licht mehr.
Jetzt bin ich ein „Habselber“, ich
brauch nicht
euch mehr.
Hab ich
eigene Ich-Beleuchtung
Hab ich am Kragen und
am Hutrand Lichter
gerichtet
auf
mich selber nur
allein
mein Gesicht.
An einem nebligen Nachmittag fahr ich durch ein Dorf.
Am Ortsende vor den Reihenhäuschen sitzen Schüler und warten gelangweilt auf den Bus.
Da eilt eine kleine runde Frau in Filzpantoffeln aus einem Häuschen zur Haltestelle, bückt sich und greift sich vor den stummen Blicken der Wartenden eine liegengebliebene Rosenblüte aus dem Rinnstein,
dreht sich um und geht ins Haus.
Leicht benommen blickte ich in die Zuckerwattebude,
berauscht von Glühweinduft und Liebesapfelglanz, als sich
ein Liebkuchenherzchen heimlich vom Bändel löste und sich
gemeinsam mit einer Schokobanane anschickte, das weiße
Karussellpferdchen zu stehlen.
Eine der Maroni gab mit einem leisen, kurzen Pfiff aus der
glühenden Pfanne das Zeichen: Sogleich stob das Pferdchen,
sich jäh aufbäumend mit freudigem Wiehern unter dem grellen Kichern und Kreischen der kandierten Früchtchen mit seinen Befreiern davon.
Zwei durchgebrannte Mandeln jagten johlend vor Begeisterung hinterher, dann wurde alles still.
Das Karussel stand reglos, wie erstarrt.
Das erste was ich hörte war die Stimme eines Mannes hinter mir:
"Hei - land - zack".